Als Nummer eins der Setzliste in Miami hatte Zverev viel Zeit zum Üben. Sein erstes Match bestreitet er erst am Samstag, wenn er in der zweiten Runde auf Jacob Fearnley trifft.

Auf der ATP-Tour gab und gibt es große Rivalitäten, die komplett auf der Hand liegen: Ivan Lendl gegen John McEnroe, Novak Djokovic gegen Rafael Nadal, Jannik Sinner gegen Carlos Alcaraz. Große Spieler, die sich auf den Center Courts der Grand Slams unzählige Male duelliert haben. Die sich Matches geliefert haben, von denen die Fans noch ihren Enkeln erzählen.

Zverev vs. Fils: Eine Rivalität der besonderen Art

Mindestens genauso spannend sind aber auch die Rivalitäten, die sich durch andere Qualitäten auszeichnen und nicht so offensichtlich sind. Solche, die sich durch eine besondere Historie interessant machen. So wie zum Beispiel die Rivalität zwischen Alexander Zverev und Arthur Fils. Im Achtelfinale der Miami Open schreiben die beiden am Mittwochabend das nächste Kapitel ihrer gemeinsamen Geschichte.

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Ein Zeitsprung zurück in den Sommer 2024: Der Lokalmatador Zverev dominierte als top-gesetzter Spieler das Feld bei seinem Heimatturnier in Hamburg, rauschte durch bis ins Finale, wollte an diesem Sonntag seinen Titel beim ATP-500-Turnier aus dem Vorjahr verteidigen. Auch Fils, an Position fünf gesetzt, erwischte eine gute Woche. Holger Rune musste im Viertelfinale gegen ihn aufgeben, Sandplatzspezialist Sebastian Baz gewann gegen Fils im Halbfinale nur insgesamt vier Spiele. Der Franzose ging also mit einer guten Portion Selbstbewusstsein in das Finale am Rothenbaum.

Heimvorteil wird zu Gastvorteil

Es folgte ein denkwürdiges Endspiel, bei dem Fils nicht nur gegen Zverev und das Publikum antrat, sondern auch gegen seinen eigenen Körper. Am Ende der drei Stunden, 33 Minuten und drei Sätze mit packendem Tennis plagten den Franzosen Krämpfe, er servierte zwischenzeitlich von unten, war am Ende seiner Kräfte. Kurz darauf kam es beim Seitenwechsel zur hitzigen Diskussion zwischen den beiden Kontrahenten. Letztendlich behielt Fils im entscheidenden Tiebreak die besseren Nerven (6:3, 3:6, 7:6(1)). Beim Handshake würdigte Zverev Fils keines Blickes. Der Franzose hatte Zverev beim Heimturnier des Hamburgers entthront.

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CHAMPION! Arthur Fils zerstörte Alexander Zverevs Hamburger Titelverteidigungshoffnungen im entscheidenden Tiebreak

Im Herbst des gleichen Jahres: Das letzte Masters-1000-Turnier im ATP-Kalender lockte alle Top-Stars nach Paris-Bercy. Zverev war hungrig auf den nächsten Titel in 2024. Seitdem er im Frühjahr in Rom die Trophäe in die Höhe strecken konnte, wartete er vergeblich auf den nächsten Triumph. Im Achtelfinale kam es dann zum Duell, auf das Zverev schon seit dem Sommer wartete: das Rematch gegen Fils.

"Jeu, set et match, Zverev!“

Es war eine Revanche mit vertauschten Rollen: War Zverev in Hamburg noch als Lokalmatador aufgetreten, war es nun Fils, der vor heimischen Publikum spielte – er kommt ursprünglich aus dem beschaulichen Bondoufle, einem Vorort von Paris. Und war es im Sommer noch Zverev, der den Kürzeren zog, hatte in Paris wieder einmal der „Hometown-Hero“ das Nachsehen.

Die beiden lieferten sich erneut einen packenden Kampf, in dem der dritte Satz die Entscheidung bringen musste: „Jeu, set et match!“ hieß es zum Schluss aber mit dem besseren Ende für Zverev (6:4, 3:6, 6:3). Zverev nutzte den Rückenwind aus dem gewonnenen Duell und marschierte zum siebten Masters-1000-Titel seiner Karriere.

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Wenn er nun bei den Miami Open 2025 seinen achten Masters-Titel gewinnen möchte, gilt es abermals, seinen Laver-Cup-Teamkollegen Fils zu besiegen. Dieses Mal aber wieder auf neutralem Boden, auf dem Zverev bislang die besseren Karten hatte. Insgesamt steht es im direkten Vergleich 3:1 aus Sicht der deutschen Nummer eins.

Außerdem scheint Zverev wieder in die Spur gefunden zu haben. Er genießt die Vibes in Miami und spielt das beste und souveränste Turnier seit seiner Finalniederlage bei den Australian Open im Januar. In der dritten Runde besiegte er Jordan Thompson mit 7:5, 6:4. Fils rang in seiner Drittrunden-Partie währenddessen Frances Tiafoe in einem packenden und emotionalen Match mit 7:6(11), 5:7, 6:2 nieder.

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Nachdem die Partie am Dienstag abgesagt werden musste, wird nun am Mittwochabend die Geschichte der besonderen Rivalität von Zverev und Fils weitergeschrieben. Keiner der beiden wird jeweils seine bittere Heim-Niederlage gegen den anderen aus dem vergangenen Jahr vergessen haben. Tennisfans können also auf ein spannungsgeladenes Achtelfinale hoffen. Die Partie ist als zweites Match im Hard-Rock-Stadium in Miami (ab circa 20:00 Uhr deutscher Zeit) angesetzt.