March 3 2025 - Joao Fonseca 7resize

Die zwei großen Tennistouren der ATP und der WTA sind hektische Rennen von einem Ende des Globus zum anderen. Doch im Vergleich zur Challenger Tour der ATP wirken sie wie ruhige Ozeane, die das unglaublich komplizierte Netzwerk darunter verdecken.

Die Challengers – wie der Name schon sagt – sind ein Ort, an dem Hunderte hungriger Hoffnungsträger aller Altersgruppen ihren Lebensunterhalt verdienen, ihre Fähigkeiten verbessern und vor allem alles tun, um einen Platz auf der großen Bühne zu ergattern.

Jedes Jahr gibt es etwa 200 Challenger-Turniere, die je nach Anzahl der zu vergebenden Ranglistenpunkte in fünf verschiedene Stufen eingeteilt werden: 50, 75, 100, 125 und 175. Während die besten Männer des Sports in dieser Woche in Indian Wells gegeneinander antreten, werden die Challenger-Spieler in alle Richtungen ausschwärmen: Phoenix im Bundesstaat Arizona (175), Cap Cana in der Dominikanischen Republik (175), Cherbourg in Frankreich (75), Santiago in Chile (75) und nach Kreta in Griechenland (50).

Nächste Woche folgen 75er-Turniere in Asunción, Paraguay; Mérida, Mexiko; Murcia, Spanien und Zadar, Kroatien.

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Kann Joao Fonseca die Top 15 im Jahr 2025 erreichen? | TC Live

Diese weit verbreitete, aber meistens weitgehend unsichtbare Tour hat in letzter Zeit von einigen Entwicklungen profitiert. Zum einen kam der Film Challengers in die Kinos, der das verzweifelte Streben nach zweitklassigem Tennisruhm wie ein sexgeladenes Abenteuer aussehen ließ. Eine andere war die Entscheidung der großen Touren, ihre 1000er-Turniere auf zwölf Tage zu verlängern. Dadurch bleibt den Spielern, die bei diesen Turnieren früh ausscheiden, mehr Freizeit, die sie durch die Teilnahme an einem Challenger-Turnier – vorzugsweise in der Nähe – in der zweiten Woche füllen können.

Das Turnier, das Indian Wells am nächsten liegt, ist das Arizona Tennis Classics, das am Dienstag in Phoenix beginnt und mit 250.000 Dollar dotiert ist. Matteo Berrettini gewann den Titel im Jahr 2019, spielte dort auch 2024 und erreichte erneut das Finale. Nuno Borges, derzeit auf Platz 36, ist der zweimalige Titelverteidiger. Auch wenn Berrettini in diesem Jahr nicht in Phoenix spielt, bekommt Borges hochkarätige Konkurrenz. Denn mit ihm sind acht Spieler aus den Top 75 am Start. Borges ist der Topgesetzte, gefolgt von Flavio Cobolli und Jan-Lennard Struff. Letzterer hat sich übrigens bei seiner letzten Teilnahme in Phoenix 2023 über die Qualifikation bis ins Halbfinale gespielt. Der Deutsche weiß also bestens, was es braucht, um gut im Phoenix Country Club abzuliefern.

Joao Fonseca hingegen schlägt zum ersten Mal im Bundesstaat Arizona auf, nachdem er in Indian Wells in der zweiten Runde ausschied.

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Als die WTA letzte Woche ein Turnier im Austin Country Club in Texas spielte, scherzte die Siegerin Jessica Pegula, dass sie und ihre Mitspielerinnen „den Platz verwüstet“ und den Clubmitgliedern damit wertvolle Spielzeit geraubt hätten. Genau das werden die Männer diese Woche im Phoenix Country Club tun. Der 1899 gegründete Club verfügt über einen Golfplatz auf Profi-Niveau und hat zehn Hartplätze. Einst, bevor die Open-Ära den Tennissport in die Stadien und Arenen katapultiert hat, waren Clubs wie dieser das Herzblut des Spiels und beherbergten die Amateurstars der Welt, von Don Budge über Pancho Gonzalez bis Rod Laver.

Heute ist die Rolle, die Challenger-Veranstaltungen im Leben der Profis spielen, klar. In einem Sport, in dem ein großer Konkurrenzkampf herrscht, nur um bei einem hochkarätigen Turnier auf den Platz zu kommen, bieten Challenger-Events Hunderten von Spielern die Möglichkeit, ihr Handwerk zu erlernen. Aber Challenger-Turniere können auch das Leben der Fans des Sports bereichern.

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Die Zukunft des Tennissports auf der Challenger-Tour

Das Spielniveau liegt nur ein wenig unter dem der Top 50. Es gibt genauso viele verschiedene Persönlichkeiten und Stile zu sehen. Außerdem kann man einen Blick auf aufstrebende Spieler werfen, bevor sie überhaupt berühmt werden. Und wenn es Spieler gibt, die man gerne verfolgt, die auch immer wieder auf der Tour auftauchen, kann man sie hier finden, wo sie sich am ehesten weiterentwickeln können.

Ein Beispiel: Yosuke Watanuki. Der 26-jährige Japaner hat Indian Wells diese Woche im Sturm erobert. Mit seinen fünf Siegen (drei im Hauptfeld, zwei in der Qualifikation) hat er sich mit seinem spannenden Angriffsspiel und seinem immerwährenden Lächeln sofort zum Publikumsliebling entwickelt. Aber Watanuki ist schon lange auf der Challenger Tour zu sehen. Im Jahr 2024 spielte er trotz einer Verletzungspause Challenger-Turniere in Shanghai, Taipeh, Matsuyama und Kobe. Dieses Jahr begann er seine Saison beim Challenger in Canberra. Egal, auf welchem Turnierniveau Watanuki antritt, er wird das Geld wert sein.

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Auch wenn Jan-Lennard Struff mittlerweile zu den etablierten Spielern auf der Tour zählt, nutzte er – genau wie viele andere – die Challenger-Tour als Sprungbrett für seine Karriere. Vor allem nach seiner dreimonatigen Verletzungspause im Jahr 2022, die ihn aus den Top-100 stürzen ließ, entschied sich der Warsteiner dazu, sich über die Challenger-Tour zurück zu kämpfen. Mit Erfolg: Denn Stück für Stück kletterte er über diese Turniere wieder näher an die Top 100 heran.

Seine fünf Siege von der Qualifikation bis ins Halbfinale von Phoenix 2023 waren übrigens ein letzter kleiner Schritt zu Platz 103 im ATP-Ranking. Der finale Schliff folgte dann wenige Wochen später, als Struff als Qualifikant das Viertelfinale beim Masters-Turnier in Monte Carlo erreichte.

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Mehrere ATP Challenger-Turniere werden auf **TennisChannel.de** übertragen. (Zu den heutigen Spielen aus Phoenix gehören Roman Safiullin gegen Christopher Eubanks, Rinky Hijikata gegen Brandon Holt, Reilly Opelka gegen Arthur Rinderknech und Alexander Bublik gegen Aleksandar Vukic). Außerdem werden sie an Dutzenden von Orten ausgetragen, an denen die Haupttour nie stattfindet. Hast du schon mal nachgeschaut? Wahrscheinlich gibt es mindestens ein Event, das von deinem Wohnort aus problemlos mit dem Auto zu erreichen ist.

Wenn man nun also sehen will, was die Gegenwart im Tennis bietet, lohnt es sich, einen Blick auf das 1000er-Turnier in Indian Wells zu werfen. Wenn man aber wissen will, wie die Zukunft im Tennissport aussehen kann, sollte man unbedingt einschalten, um zu verfolgen, wie sich Struff, Borges, Fonseca & Co. in Phoenix schlagen.